PRESSEMELDUNGEN ZUR KOOPERATIVEN MITTELSCHULE


Kleine Zeitung 26. April 2007 | Region Graz | Steiermark | Seite 16 (G. Winter)
Manche Kinder brauchen einfach mehr Zeit

GRAZ. Bereits seit 16 Jahren lebt der Schulverbund Graz-West das System der Gesamtschule vor. Der Schulververbund Graz-West nennt sich zwar nicht so, aber hinter seiner Struktur verbirgt sich genau das, was seit Jahren heiß diskutiert wird – eine Gesamtschule. Vier Grazer Hauptschulen (Algersdorf, Karl Morre, Puntigam und Straßgang) und das Klusemann-Gymnasium haben sich bereits 1991 zu dem Projekt „gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen“ zusammengeschlossen. In diesem Schuljahr ist mit Kalsdorf eine weitere Hauptschule dazugekommen. Brigitte Pelzmann, Koordinatorin des Schulverbundes, zieht eine positive Bilanz über die vergangenen 16 Jahre: „Für die Kinder ist es ein unheimlicher Vorteil. Manche brauchen einfach etwas mehr Zeit, sich zu entwickeln. Für diese käme eine normale AHS zu früh.“ In diesen sechs Schulen haben die Schüler die Möglichkeit, sich in den Hauptgegenständen Deutsch, Englisch und Mathematik je nach Leistung nach Gymnasium- oder Hauptschulnoten beurteilen zu lassen. Vorteil: Ist ein Kind in Mathematik schwächer, kann es mit einer HS-Note aufsteigen, anstatt, wie im normalen Gymnasium, mit einem Fünfer die Klasse zu wiederholen. Erst mit dem Abschlusszeugnis in der 4. Klasse fällt dann die Entscheidung, ob ein Kind weiter die Oberstufe besucht oder einen anderen Weg einschlägt. „Alles, was vorher passiert, ist eine innere Differenzierung“, beschreibt Pelzmann die Vorzüge des Systems. Ein Muss für die Gesamtschule ist laut Pelzmann das Team-Teaching. Das heißt, in den Hauptgegenständen sowie in Ökologie (Biologie mit Geographie) und Turnen wird immer zu zweit unterrichtet. Pelzmann: „Sonst ist das nur eine Farce. Einfach Schulen zusammenzulegen, neu zu betiteln und mit den gleichen Strukturen weiterzuarbeiten, funktioniert nicht.“ Darum mahnt die Lehrerin eine Debatte über mehr Ressourcen für die Schulen ein.


Die Grazer Woche 10. Juni 2007 : Seite 13
Gemeinsam lernen steht auf dem Plan

Kooperatives Büffeln:
Im BG/BRG Klusemannstraße unter Dir. Klaus Tasch drücken AHS- und Hauptschulkinder gemeinsam die Schulbank. Was österreichweit zu heftigen Debatten führt, gibt es in Graz schon viele Jahre, und zwar sehr erfolgreich. Seit 1991 verwirklichen die Hauptschulen Algersdorf, Karl Morre, Puntigam, Straßgang und seit 2005 auch die Hauptschule Kalsdorf gemeinsam mit dem Gymnasium (BG/ BRG) Klusemanngasse den Schulversuch „Kooperative Mittelschule“ (KMS). Dabei geht es um eine gemeinsame Bildung und Erziehung der 10- bis 14-Jährigen. Alle Schulen nehmen sowohl AHS- als auch Hauptschulkinder auf, die nach dem jeweiligen Lehrplan unterrichtet werden. Dafür sind an den Schulen Gymnasial- und Hauptschullehrer tätig, die in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch zu zweit in einer Klasse sind. „ So können die Schüler gezielter gefördert werden, die Konzentration ist größer“, erklärt Klaus Tasch, Leiter des BG/BRG Klusemannstraße. „Wir haben stabile Klassen, die Schüler, die aus den Hauptschulstandorten kommen, können bei uns in der Oberstufe gut mithalten“, bilanziert der Direktor.
Nachfrage größer als Angebot
Neben den positiven Aspekten gibt es aber auch kleine Schwierigkeiten. So werden laut Tasch die Hauptschulen von den Eltern nicht als gleichwertig mit dem Gymnasium angesehen, obwohl dort gleiche Arbeit geleistet wird. Es werden generell mehr Kinder angemeldet als aufgenommen werden können. „Helfen würde ein größeres Angebot“, so Tasch, der die Gesamtschule als einzig sinnvolles Konzept sieht. „Es scheitert an der Tradition. Dabei würden alle profitieren. Es gibt viele Ängste, die abzubauen wären.“


Steiermark News 02. Mai 2007
Steirischer Schulversuch positiv bewertet

Im Gegensatz zum Bund stehen in der Steiermark SPÖ und ÖVP hinter einem gesamtschulähnlichen Modell, das es auch schon als Schulversuch gibt. Sowohl Lehrer als auch Eltern zeigen sich zufrieden.
Seit 1991
Im Gymnasium Klusemannstraße im Westen von Graz läuft seit 1991 in der gesamten Unterstufe ein Schulversuch: Vernetzt mit fünf weiteren Hauptschulen werden im so genannten Schulverbund Graz-West die Zehn- bis 14-Jährigen gemeinsam von Hauptschul- und AHS-Lehrern unterrichtet - und das in Form einer reinen Vormittagsschule; nur für den, der will, gibt es auch am Nachmittag Betreuung.
Zwei Lehrer in der Klasse
Die Schüler können zum Schluss einen Hauptschul- oder einen AHS-Abschluss erwerben -je nachdem, wo sie nach vier Jahren stehen; getrennt unterrichtet wird aber nicht, sondern gemeinsam in Leistungsgruppen, sagt der Direktor der Schule, Klaus Tasch: "Konkret schaut das so aus, dass in den Schularbeiten-Gegenständen immer zwei Lehrer in der Klasse sind; damit haben sie die Möglichkeit, in Gruppenunterricht, in offene Unterrichtsformen zu gehen und differenziertere Aufgabenstellungen zu geben und die Kinder individuell in diesen Gruppen zu betreuen."
Keine Berührungsängste bei den Kindern
Kinder würden es als Deklassierung erleben, sagt Tasch, wenn sie nach der Volksschule nicht in die Schule gehen dürfen, in die der bisherige Schulfreund geht. Auch die übliche Bewertung der AHS als höherstehend würden die Kinder nicht erleben. Berührungsängste zwischen Hauptschul- und AHS-Lehrern würde es heute keine mehr geben, "weil sie ja selbst nicht in Kategorien denken, sondern sie nehmen sich als Kinder wahr, wie sie eben sind, und wir trachten danach, dass sie sich möglichst gut entwickeln können und jedes Kind den möglichst besten Abschluss erreichen kann", so Tasch. Für eine Ausdehnung des Gesamtschulmodells müsste man aber auch Ängste bei den AHS-Lehrern abbauen, sagt Direktor Tasch.
Elternvertreter: "Optimale Lösung"
Durchwegs positiv ist auch die Reaktion bei den Eltern. Elternvereinsobfrau Carmen Bauer-Denk hat ihre jetzt 15-jährige Tochter damals ganz bewusst zum Schulversuch gebracht. "Ich habe das nur als angenehm und positiv empfunden. Es war viel weniger Leistungsdruck und dass sie von Hauptschul- und Mittelschul-Lehrern betreut werden, find' ich ist eine optimale Lösung."
Wirklich Chancengleichheit
Dass dabei zwar die Schwächeren gefördert werden, die Guten aber auf der Strecke bleiben, sei nicht der Fall: "Ich würd' sagen, dass da jeder wirklich Chancengleichheit hat und die, die sowieso von vornherein besser sind, die finden ihren Weg", so Bauer-Denk.
steiermark.ORF.at
In Graz soll jedenfalls der Ausbau kommen: Bildungslandesrätin Bettina Vollath (SPÖ) und der Grazer Schulstadtrat Werner Miedl (ÖVP) haben sich auf einen weiteren Schulversuch mit einer AHS und vier bis fünf Grazer Hauptschulen geeinigt. Zum bestehenden Schulverbund Graz-West soll es dann auch einen Schulverbund Graz-Ost geben.


Die Presse 12.03.2007 Suche nach einer Lösung des Problems überfüllter AHS. (K. Höfler und R. Benedikt)
Graz/Klagenfurt. Der Ansturm auf Gymnasien ist ungebrochen.

Allein in den beiden Villacher Gymnasien liegen 460 Anmeldungen für das kommende Schuljahr vor. Wollte man alle aufnehmen, bräuchte es an die 20 erste Klassen. Denn mit Beginn des neuen Schuljahres tritt die neue Klassenschüler-Höchstzahl, 25, in Kraft. Die Schulen rüsten sich mit unterschiedlichen Maßnahmen für den Schüler-Ansturm. So wird im Perau-Gymnasium mit einem Zubau im Schulhof begonnen, der vier neuen Klassen Platz bieten soll. Derzeit sind laut Direktor Christoph Zebedin fünf Klassen im Wifi untergebracht. Die Schule muss aber aus dem Gebäude ausziehen, weil es verkauft wurde. Ebenfalls auf der Suche nach zusätzlichen Räumen ist das Gymnasium St. Martin. Demnächst gibt es Gespräche mit der Villacher Stadtverwaltung. Die hat dem Gymnasium Ausweichklassen im „Widmanneum“ oder in der Berufsschule angeboten. Beim Bau vor 30 Jahren war die Schule für 900 Schüler konzipiert. Heute werden dort 1250 junge Menschen unterrichtet, im Herbst sollen weitere 260 dazukommen. Angesichts dieser Zahlen wird in Villach schon über den Bau eines neuen, dritten Gymnasiums spekuliert. Ein solches hält aber der Vizepräsident des Kärntner Landesschulrates, Rudi Altersberger, nicht für notwendig: Damit reagiere man mit alten Rezepten auf neue Herausforderungen. Altersberger verweist auf freie Kapazitäten in Hauptschulen, die man intelligent nutzen müsse. Die Pisa-Studie habe all den Ländern gute Ergebnisse gebracht, in denen alle Zehn- bis 14-Jährigen eine gemeinsame Schule besuchen.
Kooperative Mittelschule
Daher plädiert Altersberger für eine „Modellschule Kärnten“. In dieser ganztägig geführten Hauptschule sollen Gymnasial- und Hauptschullehrer gemeinsam tätig sein – im Unterricht und bei der Nachmittagsbetreuung: „Das wäre ökonomisch eine Minimal-, pädagogisch aber eine Maximallösung.“ In Graz besteht ein solches Modell seit 1991. Im Schulverbund Graz-West sind fünf Hauptschulen (Algersdorf, Karl Morre, Puntigam, Straßgang, Kalsdorf) und eine Allgemeinbildende Höhere Schule (Klusemannstraße) zum Schulversuch „Kooperative Mittelschule“ zusammengeschlossen. Ziel ist es, die Nachfrage-Schere zwischen überlaufenen Mittelschulen und weniger beliebten Hauptschulen im urbanen Raum zu schließen. In Schulversuchsstandorten mit insgesamt rund 2000 Schülern wird bei der Aufnahme jeweils eine Quote von 80 (AHS-Schüler) zu 20 (Hauptschüler) angepeilt. AHS- und Hauptschullehrer unterrichten Hauptgegenstände, Ökologie und Turnen in Form von Team-Teaching. Die Schüler erhalten je nach Leistung und in Absprache mit Eltern und Lehrern entweder Hauptschul- oder AHS-Schularbeiten und am Ende ein entsprechend differenziertes Zeugnis. Ein Wechsel während des Schuljahres ist möglich. „Dadurch wird dem Kind Entwicklungszeit gelassen, und es kann individuell gefördert werden,“ sagt Elgrid Messner, Initiatorin des Projekts. Dass es dadurch am Ende des Schuljahres zu einer Trennung von guten (mit AHS-Zeugnis) und schlechten (HS) Schülern kommt, gibt Messner zu. Nachsatz: „Diese Trennung war im Schulmodell nie vorgesehen, wurde aber vom Ministerium verlangt.“
„SCHUL-LEXIKON“
Die Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen, ein alter Streitpunkt zwischen VP und SP, bedeutet nach vier Volksschuljahren den Verzicht auf differenzierende Schultypen wie Hauptschule oder AHS. Weltweit gibt es die Gesamtschule seit 30 Jahren.

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